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Mittwoch, April 12, 2017

Dieser eine Ort kränkt mich und sorgt dafür, dass ich die Unsicherheit und den Mangel verspüre. Der Selbstzweifel zieht mich in die Dränge, in ein tiefes Loch. Ein richtig tiefes Loch, ohne Ausgang und Weg in die Freiheit. Ein Konkurrenzkampf, der mir gezeigt hat, dass ich eines Tages ohne Erfolg auskommen werde. Tränen fließen ohne Ende, wie ein Wasserfall; mein Lachen verlässt mich, als hätte ich meinen Geliebten verloren. So schmerzhaft wie eh und je. Personen um mich glaubten damals an mich und meinten, ich könnte es problemlos und ohne Druck alles schaffen; jetzt zweifeln sie an mich und haben dieses eine Bild von mir, an das sie sich orientieren. Ein Bild von mir als Heuchlerin ohne Allgemeinwissen, aber dafür mit einem niedrigen IQ. Ich erkenne ihre nach unten gewinkelten Münder; die Köpfe, als hätten sie die Kontrolle verloren; die kreisenden Handgelenke, als würden sie mir eine Nachricht mitteilen wollen, die ich hätte längst wissen sollen. Jedoch, was ist mit den anderen? Werden sie nicht in die Dränge gezogen? Oder können sie tatsächlich von einem Tag auf den anderen der nächste Albert Einstein oder die bessere Version von Immanuel Kant sein? Was ist falsch an mir? Wenn derjenige mangelhafte Leistungen in der Mathematik erbringt, wieso schafft er es, die Binomial- und Normalverteilung anzuwenden? Oder wenn sich jemand anderer hunderte Vokabeln eingeprägt hat, die er sowohl theoretisch, als auch praktisch umsetzen kann, wieso schreibt er schlechte Klassenarbeiten? Tausende Fragen quälen mich nächtelang, bis ich nicht mehr Schafe zählen kann. Ich rede mir ein, dass alles wieder gut sei; ob mir das gelingt? Wertlose Stunden verbringe ich mit Vorwürfen, von wegen sie sind "eh alle besser als ich".

Wenn Noten viel über unsere Kompetenz aussagen

[Kleine Information am Rande: In Österreich sind fünf anstatt sechs Noten zu vergeben, wobei "Sehr Gut" (1) die beste Note ist und ein "Nicht Genügend" (5) die schlechteste.]

Es ist unfair zu ertragen, wie Noten das Denken und unsere Fähigkeiten stark beeinflussen. Sie sind genauso wie Menschen, auf denen wir uns verlassen können; unpräzise sind sie ebenfalls. Denn sie sagen nichts aus, ob wir "zu dumm" oder "zu intelligent" für das jeweilige Fach sind. Momentan benoten Lehrer/Professoren unterschiedlich - je nach System, an das sie sich orientieren. Sei es nach Punkten, wie wer mitarbeitet, nach Noten, oder - was die absolute Frechheit und dazu ich jetzt kommen werde - nach Sympathie. Ich möchte mich nicht beschweren oder mich rechtfertigen, aber welcher Sinn besteht darin, einen Schüler ungerecht zu benoten? Dazu werde ich dir zwei Szenarien aufzählen, was mir in der Schulzeit, vor allem in der Oberstufe, passiert ist:

Szenario A: "Nicht Genügend" im Fach Englisch
Du weißt es vielleicht nicht, aber ich liebe die englische Sprache. Well, let's put it in another way: I adore all languages in the world. Sprachen sind das Wunderschönste, was es auf der Welt gibt, denn was wäre eine Welt ohne sie? Es ist kein Rätsel, dass ich (Nachhilfe)Lehrerin in Sprachen werden wollte. Wie dem auch sei, ich hatte letztes Jahr eine andere Lehrerin bekommen, da die letzte schwanger war und ein Kind bekommen hat (es heißt Sarah, sie hat und vor den Weihnachtsferien besucht). Davor hatte ich Angst, dass sie mich tatsächlich unterrichten, da sie als eine etwas andere Lehrkraft bekannt ist. Meine Mitschüler erzählen, dass diese Person sowohl sexistisch, als auch rassistisch ist. Sie hasst weibliche Schüler mit ausländischer Herkunft, vor allem die, die Kopftücher tragen; bei männlichen Schülern spielt sie jedoch keine wesentliche Rolle. Ich dachte mir, es sei alles wieder gut, und mir trotzdem nichts passieren kann, da ich noch nie durchgefallen bin und schon gar nicht in diesem Fach. Letztendlich stellte sich heraus, dass ich mich getäuscht habe: Ich wurde ungerecht benotet; kein Plan, wie sie das hinbekommt. Gott sei Dank sehe ich diese Person nie wieder.

Jetzt bin ich in der 12. Schulstufe und stehe kurz vor der Matura. Gott sei Dank konnte ich die Lehrerin wechseln, die ich letztes Jahr ursprünglich hätte bekommen sollen. Die Noten stehen fest, leider bin ich in einem Fach negativ. Und nein, es ist nicht in Mathe; sondern in Englisch. Trotz des Lehrerwechsels haben mir auf jede Klassenarbeit weniger als zehn Prozent gefehlt, um zumindest eine positiv zu schreiben. Eine 15-minütige Prüfung hilft mir leider nicht, jetzt steht eine Frühlingsprüfung an (drei Tage vor dem Schulschluss und acht Tage vor der Matura) und ich habe mehr Angst als vor der Matura.

Fazit: Eine Fünf in Englisch sagt nichts aus, dass ich furchtbar schlecht bin, im Gegenteil. Ich wollte sogar nach der Matura in London studieren, aber das ist hoffnungslos für mich.

Szenario B: "Sehr Gut" im Fach Physik
Aber hey, sehen wir es positiv: Ich habe ein paar Einsen im Zeugnis stehen und Physik ist ein Fach von vielen. Bin ich wirklich "so gut", wie mein Zeugnis es meint? Ehrlich gesagt wäre ich mit einem "Befriedigend" (3) zufrieden. Zugegeben schreibe ich gute bis sehr gute Tests und meine Mitarbeit ist nicht schlecht. Allerdings geht mein Lehrer weder nach Noten, noch Sympathien; sondern nach Punkten. Diese zusammengezählt und den Durchschnitt berechnet ergibt die Note selbst. Einerseits finde ich es sinnvoll, da man sich orientieren kann und sich fragt, wie viele Punkte man braucht, um sich eine bessere Note zu verdienen. Andererseits finde ich es schade, da ich Mitschüler habe, die sehr viel in der Mitarbeit leisten und schlechte Tests schreiben. Und theoretisch wären sie negativ.

Fazit: Eine Eins in Physik bedeutet nicht, dass ich mich mit Quantensprüngen, der Optik oder dem Magnetismus auskenne.

In Mathematik kann ich mich über das Grundkompetenzen-System beschweren: Nur, weil mir ein Punkt abgezogen wurde, bin ich direkt negativ.
Worauf ich hinaus möchte ist, dass ich in Fächern, die mir schwerfallen, lieber mit "Befriedigend" oder "Genügend" (4) beurteilt werden möchte als mit "Nicht Genügend"; und die mir leicht fallen zumindest mit "Gut" (2), vielleicht mit "Sehr Gut". Außerdem sind Noten unpräzise, unzuverlässig und machen uns das Leben schwer, bis wir uns psychisch belasten. Es darf nicht wahr sein, dass wir Druck ausüben.

Egal, was die Noten dir mitteilen wollen, du bist so klug wie du bist. Lass dich nicht unterkriegen, schon gar nicht von Lehrern! 💘
Hast du schlechte Erfahrungen mit Noten gemacht?


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26 Gedanken

  1. Das ist alles so wahr :) finde es auch toll, wie du so ehrlich über die Dinge berichtest & schreibst! Wünsche dir viel Glück bei der Matura & der Englisch-Prüfung!! Wirst es sicher packen :)

    Alles Liebe,
    Laura von www.lauratopa.com :)

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  2. Das ist wirklich mies das du so eine blöde Englischlehrerin hast. Ich kannte solche Situationen in meiner Schulzeit auch. Ich wünsche dir trotzdem weiterhin viel Erfolg in deiner Schulzeit.

    LG Jasmin

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    1. Aber hallo! Das ist die Kurzversion. Was wirklich passiert ist, war für mich brutal. Deswegen wollte ich nicht ins Detail gehen.

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  3. Noten sind halt leider immer auch subjektiv. Mag einen der Lehrer nicht, findet dieser einen Weg die Benotung in unmögliche Richtungen zu lenken gegen die man nur sehr schwer etwas tun kann! Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute auch für die Matura!

    Viele Grüße
    Denise von
    www.lovefashionandlife.at

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    1. Ich kann es mir supergut vorstellen, wenn sie die Tests korrigieren. Sie schauen zuerst auf die Namen. Findet man einem unsympathisch, aus welchem Grund auch immer, denkt sich der Lehrer: "Passt! Durchgefallen! Ohne Wenn und Aber!". Und danke für die Glückwünsche! :)

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  4. Liebe Menna,

    ich kann dich so gut verstehen. Mein Schulabschluss liegt schon ein paar Jahre zurück, aber ich habe es mehr als einmal erlebt, dass Lehrer unfair bewertet haben. Mich und andere. Das ist super mies, gerade weil man von ihrer Bewertung abhängig ist. Bleib stark und lass dich nicht runterziehen! Alles Gute, auch für den Abschluss.

    Liebe Grüße
    Jana
    www.comfort-zone.net

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  5. Hallo Menna, zu erst mal ich hab mir grad deinen Blog abonniert, dein Schreibstil ist einfach der Hammer.

    Leider herrscht die Freundlwirtschaft auch in der Uni/Schule, da kann man irgendwie nichts machen. Wichtig ist nur das du dich nicht runter ziehen lässt von sowas.

    Du schaffst das schon. Schick dir gute Energie :-)

    LG Max

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    1. Danke für dein Abo und deine Worte, Markus. Das freut mich sehr! :)

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  6. Ich hab dieses Notensystem schon immer nicht leiden können ! Ich war immer sehr ruhig und die mündlichen Noten haben meinen Schnitt sehr nach unten gezogen.
    Aber du schaffst das schon, ich drücke dir ganz fest die Daumen :)

    Liebste Grüße

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    1. Ich bin auch die Ruhige, weil ich Angst habe, auf die Fragen anderer Lehrer falsch zu beantworten, dass sie das Gefühl haben, mich anfauchen zu müssen, als wäre das der totale Weltuntergang! Ist bis jetzt leider so, vor allem in den Fächern, wo meine Lehrer sehr keen (ist das das richtige Wort?) sind wie Biologie und Geschichte.

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  7. Oh Gott, die Lehrerin hört sich ja schlimm an, erinnert mich bisschen an meinen Englischlehrer von früher .. Ich finde auch das Englisch eine der schönsten sprachen ist, ich war immer so ein 2-3 Kandidat ( Note ) mit diesem Lehrer hatte ich eine 6 im Zeugnis.. mehr muss man nicht sagen.
    Grüße Yulice

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    1. Ich war auch eine 1-3 Kandidatin, aber seit dem neuen System und Trauma vom letzten Jahr kassiere ich nur Fünfen. Einmal eine Fünf, immer eine Fünf. :(

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  8. Ich wünsche dir alles Gute mit deinem Abschluss. Ich kannte das nur zu gut und gib dir so recht. Vieles sollte anders laufen in unserem Schulsystem.
    Liebe Grüße,
    Fabian

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  9. Ich fühle mit dir, aber du schaffst das! Selbst wenn du unterpunktest kannst du das durch andere Fächer ausgleichen. Ich hatte im Mathe-Abi 1 Punkt und habe mein Abitur geschafft. Und das mit deiner Lehrerin ist ja mal eine Unverschämtheit, ich habe sowas zum Glück noch nicht erlebt.
    Seraphinalikesbeauty.blogspot.de

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  10. Ach das mit den Noten ist soooooooooo blöd =/ Es hängt von so vielen Dingen ab.. unter anderem auch der Sympathie des Lehrers usw. ... jeder Lehrer benotet anders. Jedem sind andere Dinge wichtig.

    Ich drück dir die Daumen für deine Prüfungen. Du packst das!!!

    Liebe Grüße,
    Julie

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  11. Ich wünsche dir alles liebe und gute für deine Prüfungen! Ich finde man hätte Noten schon lange abschaffen müssen, den geistigen Stand von jemandem an einer Zahl zu messen macht für mich einfach keinen Sinn...

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    1. Danke dir, liebe Anja. Und ja, das habe ich mir auch gedacht. Aber hey, am Freitag oder Samstag kommt ein Blogpost, worauf ich mich wahnsinnig freue! :) Also sei gespannt! <3

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  12. Viel Glück aller erstens ....

    Ich kenn das von meiner Schulzeit auch - da läuft einiges schief im Schulsystem :(

    lg Danie von www.daaaniieee.at

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  13. Sehr schön! Noten - es geht nicht ohne in der Schule und ich habe es auch geschafft. Mit Fleis! Manchmal habe ich auch ein paar schlechte Klassenarbeiten geschrieben und mich hinderte es ueberhaupt nicht genau dieses Fach zu studieren!

    Auf geht's!

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  14. Ach ja das mit den Noten ist immer so eine Sache. Hatte in der Unterstufe auch immer einen 4er in Mathe und in der Oberstufe Dank super Lehrerin einen 1er.so kanns gehen. Ich sags dir: Nach der Schule wirds nur besser ❤️

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    1. Ich wünschte, ich wäre auch so gut in Mathe. :D Es wird nur besser! ❤️

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